“Feuerwerk nur ohne Feuerwerk”

 

von Adrian Malzer und Veronika Tieschky

Wir, Veronika (20) und Adrian (25) sind Fan-Reporter für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO). Wir begleiten das BRSO  auf einigen Konzerten und Veranstaltungen und berichten auf diesem Blog darüber. Unser Ziel ist es, unsere Begeisterung für klassische Musik an andere junge Menschen weiterzugeben. 

Am 13. Juli durften wir hinter die Kulissen von „Klassik am Odeonsplatz“ schauen und waren vollkommen begeistert. 
Ein Konzertbericht in zwei Akten.

IMG_1495

Die Stimmung

Am Konzerttag ab ca. 19:30 Uhr trafen rund 8000 Klassikliebhaber und Klassikliebhaberinnen nach und nach und „accelerando“ am Odeonsplatz ein, um den Musikern des BRSO Gehör zu schenken. 
Von bodenlangen Kleidern, mit denen die Trägerinnen selbst die Diva des Abends hätte sein können, bis hin zu legeren Abendroben war die ganze Bandbreite der Abendmoden vertreten. 

Einerseits ist durch das Platzgesuche die Stimmung eher „vivace“ doch trotz allem liegt innerhalb des Publikums Gelassenheit und Vertrautheit in der Luft, vor allem, weil die meisten Besucher in Begleitung ihrer Familienmitgliedern oder Partnern sind. 
Hektische Arbeiter, shoppende Passanten und neugierige Anwohner – keiner, der „Odeonsplatzüberquerer“ kommt an diesem Event vorbei. 
Natürlich, zum einen wegen der Absperrung, die sich über den ganzen Platz zieht, zum anderen wegen der bereits bestuhlten Bühne, der großen Leinwand links neben der Feldherrenhalle und der unzähligen montierten Lautsprecher. Auch wenn alle fest in ihren Alltag eingespannt waren,legten die Passanten ein „ritardando“ ein und ließen das Geschehen auf sich wirken. 
Einige knipsten Fotos für die sozialen Medien, andere rätselten, welch Kunst dort heute noch zum Besten getragen wird. 
Poco a Poco fanden alle Gäste ihren Platz und die Erwartung über die Stars des Abends wie Diana Damrau, Cristian Macelaru, und Radoslaw Szulc und das BRSO lag in der Luft. 
Nach den ersten Tönen öffneten sich einige Fenster der umliegenden Häuser und die Bewohner des Odeonsplatz bildeten mit ihren Plätzen die „Logenplätze“

Beeindruckend ist vor allem auch das Soundsystem, das die Zuschauer förmlich von allen Seiten umgibt. So soll der Klang eines Konzertsaals nachempfunden werden. 

IMG_1462
Zaungäste am ersten Probentag
Die Musik 

Auf dem Programm standen in diesem Jahr Bernsteins Ouvertüre zu seiner Oper „Candide“, zwei Stücke von Jules Massenet, Erik Saties „Gymnopédies“, die Faust-Arie Gounods – und das war nur der Teil vor der Pause. Nach der Pause kam das Stück, aufgrund dessen wohl die meisten Besucher auf den Odeonsplatz kamen: Dvoráks 9. Symphonie. 

Der Zweck eines solchen Konzerts ist es immer, die Stimmung des Abends zu treffen. Und das gelang in diesem Jahr zu 100%. Ein bisschen Hintergrund war bei Bernstein zweifelslos nicht verkehrt, um diese verrückte Welt aus Horrorszenarien, Witz, Mord und sonstigen Katastrophen in seiner Opernouvertüre einordnen zu können. Sonst wäre man ein wenig verloren gewesen in dem fulminanten Auftakt, der zur Kategorie „Schonmal irgendwo gehört“ gehört. Thematisch war von dort aus der Sprung zu Massenet etwas weiter, dort erzählt er die Geschichte des Aufstiegs und Falls eines Stars mit allem, was dazugehört: Überschwang, Dekadenz, Elend. Diana Damrau schaffte es, dass man diese Extreme neben ihrem Gesang auch durch ihre Schauspielkunst spürte. Satie hörte man es ein wenig an, dass an ihm die Boheme von Paris im 19. Jahrhundert nicht ganz spurlos vorbeigegangen ist. Er verstand die Musik als Gegenentwurf zu Wagner, und der sah so aus, dass das Leitthema zuckersüße Monotonie ist und der Titel, Gymnopédies, wohl auf die Jünglinge der griechischen Gesellschaft verweist. Definitiv anders als Wagner. Und leichter. Danach konnte man thematisch schon etwas ins Schwimmen kommen, das ist aber auch nicht sonderlich schlimm, weil „Faust“ so schwer zu singen ist, dass man sich einfach auch von Damrau beeindrucken lassen konnte. Licht an, Pause. Wir können wohl nicht ganz verstecken, dass Dvorak fraglos zu den Highlights des Abends gehörte. Er schrieb das Stück, während er durch Amerika reiste, das muss man wohl dazu sagen. Es zieht einen vom ersten Ton an in Bann, lässt einen in Gedanken durch Amerika fliegen, die Weite der Landschaften, die Jahrhundertealte Kultur der indianischen Völker, die raue Industrie – so gut hat sonst fast niemand dieses Land beschrieben. Und dann achtet man auf das Englisch Horn, freut sich, dass man das Thema hin und wieder wieder erkennt – und schon ist das Stück zu ende. Schade eigentlich. 

Die Stimmung des Abends – laue Sommernacht, Gläschen Wein – das trafen die Stücke. Man konnte ein bisschen drin versinken und trotzdem diese künstlerische Qualität greifen, die einem da entgegenkamen. „Feuerwerk nur ohne Feuerwerk“ nannte das jemand, der an mir vorbeilief. Passt eigentlich ganz gut.

IMG_1490

Autor: Fan Reporter des BRSO

Adrian Malzer (25) und Veronika Tieschky (20) begleiten das Symphonieorchester des bayerischen Rundfunks

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s